US-Zolltarife könnten das Wachstum von Rechenzentren bremsen

Die von Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Zölle auf Stahl und Aluminium von bis zu 25% könnten nach Ansicht von Branchenexperten das Wachstum und den Bau von Rechenzentren erheblich behindern. Insbesondere die bestehende Knappheit an Schlüsselkomponenten der Strominfrastruktur, vor allem an Transformatoren, könnte sich durch die Maßnahmen weiter verschärfen.

Transformatorenmangel als kritischer Engpass

Jeff Currie, Chief Strategy Officer für Energiewege bei Carlyle, betonte in einem Interview mit CNBCs „Squawk Box“, dass Transformatoren für die Energieverteilung von Kraftwerken zu Endverbrauchern, wie Rechenzentren, unverzichtbar seien. Diese bestehen hauptsächlich aus Metall, sodass Handelsbarrieren in Form von Zöllen die ohnehin angespannte Lieferkette weiter belasten könnten.

Bereits jetzt stehen große Technologieunternehmen vor Herausforderungen in ihren Cloud-Segmenten. Branchengrößen wie Alphabet, Amazon und Microsoft haben in ihren jüngsten Quartalsberichten die Umsatzziele in diesem Bereich verfehlt, was sich negativ auf ihre Aktienkurse auswirkte. Besonders Microsofts Azure-Sparte leidet unter Engpässen bei der Hardwareversorgung, während Alphabet Schwierigkeiten hat, die steigende Nachfrage nach KI-Produkten mit ausreichender Kapazität zu bedienen.

Anat Ashkenazi, Finanzchefin von Alphabet, räumte während der Bekanntgabe der Quartalszahlen 4. Februar ein, dass ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besteht. „Wir befinden uns in einer angespannten Versorgungslage und arbeiten intensiv daran, mehr Kapazitäten bereitzustellen“, so Ashkenazi.

Globale Lieferengpässe verschärfen die Situation

Das Problem ist nicht neu: Hitachi Energy, der weltweit größte Hersteller von Transformatoren, warnte bereits Ende letzten Jahres, dass die Branche mit einer überwältigenden Nachfrage konfrontiert sei. CEO Andreas Schierenbeck prognostizierte in einem Interview mit der Financial Times im November 2024, dass Energieversorger ohne bestehende Bestellungen mit Wartezeiten von bis zu vier Jahren rechnen müssen.

Eine im März 2024 veröffentlichte Studie des National Renewable Energy Laboratory unterstreicht die Dimension des Problems. Der Bericht prognostiziert, dass die Kapazität der Transformatoren bis 2050 im Vergleich zu 2021 mindestens verdoppelt oder sogar verdreifacht werden muss, um der wachsenden Elektrifizierung und alternden Infrastruktur gerecht zu werden.

Auswirkungen der Aluminiumzölle auf das Stromnetz

Neben Stahlzöllen könnten auch Aluminiumzölle massive Auswirkungen auf das Stromnetz haben. Currie betont, dass die Verlagerung der Aluminiumproduktion zurück in die USA das Stromnetz erheblich belasten würde, da die Herstellung dieses Metalls extrem energieintensiv sei. „Wenn man glaubt, dass KI viel Energie verbraucht, dann ist Aluminium eine ganz andere Dimension“, erklärte Currie. „Es benötigt sechsmal mehr Energie als ein KI-Rechenzentrum.“

Diese Herausforderungen treten in einem Umfeld auf, in dem KI-Rechenzentren bereits erhebliche Mengen an Strom beanspruchen und viele Stromnetze in den USA an ihrer Belastungsgrenze operieren. Currie warnte: „Es gibt einen Grund, warum die Aluminiumproduktion einst ausgelagert wurde.“

Langfristige Auswirkungen auf die Rechenzentrumsbranche

Die potenziellen Folgen der Zölle auf das Wachstum von Rechenzentren sind vielschichtig. Während das Hauptziel dieser Maßnahmen darin besteht, die heimische Produktion zu fördern und amerikanische Arbeitsplätze zu schützen, könnten die unbeabsichtigten Konsequenzen schwerwiegend sein. Die zunehmenden Engpässe bei Transformatoren stellen bereits eine Bedrohung für den digitalen Infrastruktursektor dar, und die mögliche Verschärfung dieser Probleme durch Zölle ist besorgniserregend. Rechenzentren spielen eine entscheidende Rolle in der digitalen Wirtschaft, und jegliche Einschränkung ihres Wachstums könnte weitreichende Folgen haben, insbesondere für die Beschäftigungsentwicklung.

Dennoch sollte auch der langfristige Kontext berücksichtigt werden. Die Förderung der heimischen Produktion von kritischen Komponenten wie Transformatoren und Aluminium könnte langfristig zu widerstandsfähigeren Lieferketten und einer geringeren Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern führen. Dies könnte künftige Engpässe und Versorgungsunterbrechungen reduzieren, wenn auch auf Kosten kurzfristiger Herausforderungen.

Energiepolitische Herausforderungen und globale Wettbewerbsfähigkeit

Die energiepolitischen Auswirkungen dieser Entwicklungen sind ebenfalls erheblich. Currie hob hervor, dass die energieintensive Aluminiumproduktion das bereits stark beanspruchte Stromnetz weiter unter Druck setzen könnte. Die Kombination aus steigender Nachfrage nach Strom für KI-Rechenzentren und der Rückverlagerung energieintensiver Industrien erfordert eine strategische Energiepolitik, die den Bedürfnissen der digitalen Infrastruktur gerecht wird.

Die anhaltende Transformatorenknappheit und die möglichen Folgen der Zölle werfen zudem Fragen zur globalen Wettbewerbsfähigkeit der US-Technologiebranche auf. Falls das Wachstum von Rechenzentren in den USA gebremst wird, könnte dies zu einer Verlagerung von Investitionen und Entwicklung in andere Länder führen. Dies würde nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geopolitische Konsequenzen nach sich ziehen, insbesondere im globalen Wettbewerb um Cloud-Computing und KI-Entwicklung.

Welche Auswirkungen haben die geplanten Zölle auf Rechenzentren?

Die geplanten Zölle könnten die Verfügbarkeit von Stahl und Aluminium einschränken, was die Baukosten und Ausbauzeiten von Rechenzentren erhöhen könnte.

Warum sind Transformatoren für Rechenzentren so wichtig?

Transformatoren sind essenziell für die Energieverteilung und ermöglichen den reibungslosen Betrieb von Rechenzentren.

Wie lange dauert aktuell die Beschaffung von Transformatoren?

Die Wartezeiten für Transformatoren können bis zu vier Jahre betragen, da die weltweite Nachfrage das Angebot übersteigt.

Könnte eine inländische Produktion von Aluminium das Problem lösen?

Langfristig könnte dies die Abhängigkeit von Importen verringern, allerdings würde die hohe Energieintensität der Aluminiumproduktion das Stromnetz zusätzlich belasten.

Wie könnte sich die Zölle auf die Cloud-Anbieter auswirken?

Größere Cloud-Anbieter wie Microsoft, Amazon und Google könnten Schwierigkeiten haben, ihre Kapazitäten aufgrund steigender Infrastrukturkosten zu erweitern.

Welche Rolle spielt die US-Energiepolitik in diesem Zusammenhang?

Eine strategische Energiepolitik ist notwendig, um die steigenden Anforderungen von KI-Rechenzentren und anderen Industrien auszugleichen.

Welche Alternativen gibt es zur inländischen Aluminiumproduktion?

Eine verstärkte Nutzung von Recyclingmaterialien und erneuerbaren Energiequellen könnte dazu beitragen, die Belastung des Stromnetzes zu reduzieren.